Ein Experiment ist der einzige Weg, der ohne weitere Annahmen eine Ursache belegt: Weil der Zufall entscheidet, wer Variante A und wer Variante B sieht, unterscheiden sich die Gruppen im Mittel in nichts ausser der Variante. Jeder Unterschied im Ergebnis geht dann auf die Variante zurück.
Der Nenner ist das Quadrat des Effekts. Halb so grosse Effekte brauchen deshalb rund viermal so viele Beobachtungen.
Voraussetzungen und ihre Prüfung
Voraussetzung
Was sie bedeutet
Prüfung
Folge bei Verletzung
Vorgehen
Echte Randomisierung
Zufall, nicht Uhrzeit, Browser oder Wochentag, entscheidet über die Gruppe
Anteile je Gruppe gegen die geplante Aufteilung prüfen
systematische Unterschiede zwischen den Gruppen
Zuteilung reparieren, Test neu starten
Unabhängige Einheiten
eine Person zählt einmal, nicht jeder Seitenaufruf
Einheit der Randomisierung gleich Einheit der Auswertung
zu kleine Standardfehler
auf Personenebene auswerten
Keine Beeinflussung zwischen Gruppen
A-Nutzer sehen B nicht
Design
Effekt verwässert
Randomisierung auf höherer Ebene, etwa Region
Vorab festgelegte Laufzeit
kein Abbruch nach Sichtung
Plan dokumentieren
Fehlerrate steigt
sequenzielles Verfahren, falls Abbruch nötig
Ein oft übersehener Check ist der Sample Ratio Mismatch: Sollten 50 Prozent in jede Gruppe, kommen aber 52 zu 48 bei grossem n, ist die Zuteilung defekt, und das Ergebnis ist nicht verwertbar, egal wie gut es aussieht.
In einem randomisierten Test mit [nA] Besuchen in Variante A und [nB] in Variante B lag die [Zielgrösse] bei [Anteil A] gegen [Anteil B]. Die Differenz beträgt [Wert] Prozentpunkte (95-Prozent-Konfidenzintervall [unten] bis [oben], z = [z], p = [p]). Der vorab festgelegte kleinste relevante Effekt von [Wert] Prozentpunkten [liegt im Intervall / liegt oberhalb des Intervalls].
Immer genannt werden: Einheit der Randomisierung, geplanter und erreichter Umfang, Laufzeit, primäre Zielgrösse, Differenz mit Intervall und der Bezug zum kleinsten relevanten Effekt.
Die aktuelle Anmelderate liegt bei 10 Prozent. Ein Test soll bei Niveau 0.05 mit 80 Prozent Power einen Anstieg erkennen. Wie viele Besuche braucht es je Gruppe, wenn der kleinste relevante Anstieg 2, 1 oder 0.5 Prozentpunkte beträgt?
# dieselbe Zahl mit der eingebauten Funktionround(power.prop.test(p1 =0.10, p2 =0.12, power =0.8)$n, 1)
[1] 3840.8
ziel = [0.12, 0.11, 0.105]print(pd.DataFrame({"p2": ziel,"n_exakt": [round(float(n_je_gruppe(0.10, p)), 1) for p in ziel],"n_je_gruppe": [int(np.ceil(n_je_gruppe(0.10, p))) for p in ziel],}))
power.prop.test() liefert für den ersten Fall ebenfalls 3840.8, also aufgerundet 3841. Die Funktion rechnet mit derselben Formel.
Interpretation und Ergebnissatz
Der Umfang hängt quadratisch am kleinsten relevanten Effekt. Daraus folgt die eigentliche Planungsfrage: Bei 2000 Besuchen am Tag dauert der erste Test vier Tage, der letzte acht Wochen. Ob sich ein halber Prozentpunkt acht Wochen Testzeit lohnt, ist eine fachliche Entscheidung, keine statistische.
Um einen Anstieg der Anmelderate von 10 auf 12 Prozent mit 80 Prozent Power bei zweiseitigem Niveau 0.05 zu erkennen, braucht der Test 3841 Besuche je Variante.
Frage und Datenlage
Ein Team schaut während des Tests regelmässig auf den p-Wert und beendet den Test, sobald er unter 0.05 fällt. Wie oft meldet es dann einen Effekt, obwohl es keinen gibt?
Simuliert werden 1000 Tests, in denen beide Varianten gleich wirken. Jeder Test läuft über 20 gleich grosse Blöcke; nach jedem Block entsteht eine neue Teststatistik. Die Zufallszahlen kommen aus dem Lehmer-Generator, R und Python sehen dieselben 20 000 Werte.
jeder vierte Test meldet einen Effekt, den es nicht gibt
Interpretation und Ergebnissatz
Jeder Blick ist ein weiterer Test. Weil die Teststatistik unter der Nullhypothese hin und her schwankt, überschreitet sie die Grenze irgendwann mit hoher Wahrscheinlichkeit, auch wenn sie am Ende wieder darunter läge. Wer zwischendurch abbrechen können muss, braucht ein sequenzielles Verfahren mit strengeren Grenzen je Blick.
Wird ein Test ohne Effekt nach jedem von 20 Blöcken ausgewertet und bei Signifikanz beendet, meldet er in 25 Prozent der Fälle einen Effekt, statt in den vorgesehenen 5 Prozent.
Frage und Datenlage
Geplant waren 4000 Besuche je Variante für einen kleinsten relevanten Anstieg von einem Prozentpunkt. Variante A erzielte 480 Anmeldungen, Variante B 552. Ist B besser, und ist der Unterschied relevant?
enthält die Null nicht, reicht aber von 0.3 bis 3.3 Prozentpunkten
Interpretation und Ergebnissatz
Statistisch ist B besser. Relevant im Sinn der Planung ist der Unterschied nur wahrscheinlich: Das Intervall liegt überwiegend über dem kleinsten relevanten Effekt von einem Prozentpunkt, schliesst aber Werte darunter nicht aus. Wer eine sichere Aussage zur Relevanz braucht, muss das vor dem Test als Entscheidungsregel festlegen, etwa „Umstellung, wenn die untere Grenze über einem Prozentpunkt liegt”.
Variante B erzielte eine Anmelderate von 13.8 Prozent gegenüber 12.0 Prozent bei A (je 4000 Besuche). Die Differenz beträgt 1.8 Prozentpunkte (95-Prozent-Konfidenzintervall 0.3 bis 3.3, z = 2.40, p = 0.016).
Verständnisfragen
Ein Test soll einen halb so grossen Effekt erkennen wie ursprünglich geplant. Wie verändert sich der nötige Umfang ungefähr?
Er vervierfacht sich
Richtig. Der Effekt steht quadriert im Nenner der Formel. Beispiel 1 zeigt den Faktor zweimal.
Er verdoppelt sich
Das wäre ein linearer Zusammenhang; der Umfang wächst aber mit dem Quadrat.
Er bleibt gleich, nur die Power sinkt
Bei gleichem Umfang sinkt die Power tatsächlich, aber für dieselbe Power braucht es mehr Daten.
Ein A/B-Test läuft seit drei Tagen, der p-Wert liegt heute bei 0.03. Geplant waren zwei Wochen. Was ist richtig?
Weiterlaufen lassen bis zum geplanten Ende und dann auswerten
Richtig. Ein Abbruch bei Signifikanz erhöht die Rate falscher Alarme, wie Beispiel 2 zeigt.
Jetzt beenden, das Ergebnis ist signifikant
Genau das ist das Zwischendurch-Schauen mit überhöhter Fehlerrate.
Beenden und das Niveau nachträglich auf 0.01 senken
Nachträgliche Anpassungen machen die Fehlerrate nicht kontrollierbar.
Statt 50 zu 50 kamen bei 100 000 Besuchen 51 800 in Variante A. Was bedeutet das?
Die Zuteilung ist wahrscheinlich defekt, das Ergebnis nicht verwertbar
Richtig. Das ist ein Sample Ratio Mismatch. Bei diesem Umfang ist eine solche Abweichung durch Zufall praktisch ausgeschlossen, also unterscheiden sich die Gruppen systematisch.
Nichts, kleine Ungleichheiten sind normal
Bei 100 000 Besuchen schwankt der Anteil nur um wenige Zehntelprozent.
Die Auswertung muss gewichtet werden
Gewichten korrigiert nicht, warum bestimmte Besuche in einer Gruppe fehlen.