Bausteine eines Prompts

Prompting
Sprachmodelle
Kommunikation
Rolle, Aufgabe, Kontext, Format und Randbedingungen, mit Vorlage zum Kopieren.

Kernideen

  • Fünf Bausteine decken fast jeden Prompt ab: Rolle, Aufgabe, Kontext, Format, Randbedingungen
  • Die Aufgabe ist der einzige Pflichtteil, alles andere ist Präzisierung
  • Das Zielformat vorzugeben spart die meiste Nacharbeit
  • Was nicht drinsteht, wird vom Modell geraten, nicht erfragt
  • Beispiele wirken stärker als Adjektive: ein Muster schlägt “professionell”
  • Ein Prompt ist ein Entwurf; die zweite Fassung ist fast immer die bessere

Erklärung

Welche Aufgabe überhaupt welches Vorgehen braucht, klärt Wann was verwenden. Diese Seite behandelt den Aufbau der Eingabe selbst; die Muster darüber hinaus stehen unter grundlegende Patterns.

Die fünf Bausteine

Baustein Beantwortet Beispiel
Rolle Aus welcher Perspektive? “Du bist Reviewer für statistische Auswertungen.”
Aufgabe Was genau soll getan werden? “Prüfe die Interpretation dieses Regressionsoutputs.”
Kontext Was muss man wissen? Der Output selbst, das Fachgebiet, die Fragestellung
Format Wie soll das Ergebnis aussehen? “Tabelle mit Spalten Grösse, Bedeutung, Falle”
Randbedingungen Was ist verboten oder gefordert? “Höchstens 200 Wörter, keine Empfehlungen, Schweizer Rechtschreibung”

Die Reihenfolge ist zweitrangig, die Vollständigkeit nicht. Jeder weggelassene Baustein wird vom Modell mit einer Annahme gefüllt, und diese Annahme steht nirgends.

Vorlage zum Kopieren

Rolle: Du bist [Rolle mit Erfahrungshintergrund].

Aufgabe: [Was genau getan werden soll, ein Satz im Imperativ.]

Kontext:
[Material, Daten, Vorgeschichte. Lieber zu viel Konkretes als zu viele
Adjektive.]

Format:
[Aufbau der Antwort: Tabelle, Liste, Fliesstext, Länge, Sprache.]

Randbedingungen:
- [Was nicht vorkommen soll]
- [Was zwingend vorkommen muss]
- Wenn dir Angaben fehlen, frage nach, statt zu raten.

Der letzte Punkt ist der wirksamste einzelne Satz in dieser Vorlage. Ohne ihn füllt das Modell Lücken selbst und zwar unsichtbar.

Präzise statt höflich

Adjektive wie “professionell”, “ausführlich” oder “kritisch” sind schwach, weil sie für jedes Fachgebiet etwas anderes bedeuten. Ersetzt man sie durch eine messbare Vorgabe, wird die Antwort brauchbar:

Statt Besser
“ausführlich” “je Punkt zwei bis drei Sätze, insgesamt höchstens 400 Wörter”
“kritisch” “nenne zu jeder These das stärkste Gegenargument”
“verständlich” “für jemanden, der Regression kennt, aber keine Survival-Analyse”
“professionell” “Ton wie ein Prüfbericht: Feststellung, Beleg, Konsequenz”
“kurz” “höchstens fünf Aufzählungspunkte, kein Einleitungssatz”

Beispiele wirken stärker als Beschreibungen

Ein einziges Beispiel für das gewünschte Ergebnis ersetzt einen Absatz voller Beschreibungen. Das ist der Kern des Few-Shot-Patterns:

Formatiere die folgenden Befunde nach diesem Muster:

Beispiel:
Eingabe: Fläche wirkt stark, p sehr klein, Intervall 10.8 bis 13.1
Ausgabe: Pro Quadratmeter steigt die Miete um 12.0 Einheiten
         (95-Prozent-Intervall 10.8 bis 13.1, p < 0.001).

Jetzt für: [eigene Befunde]

Was in den Kontext gehört, und was nicht

Sprachmodelle reagieren empfindlich auf Ballast. Zu viel Nebensächliches verschlechtert die Antwort messbar, weil die Aufmerksamkeit sich verteilt. Zwei Regeln:

  • Alles hinein, was zur Aufgabe gehört: Daten, Auszüge, Vorgaben, Zielgruppe.
  • Alles heraus, was nur Vorgeschichte ist: frühere Versuche, Meinungen, Wiederholungen.

Bei langen Eingaben lohnt sich ein vorgeschalteter Filterschritt, siehe System-2 Attention.

Iterieren statt perfektionieren

Der erste Prompt ist ein Entwurf. Statt ihn lange zu verfeinern, ist es wirksamer, die Antwort zu lesen und gezielt nachzusteuern:

Die Antwort ist zu allgemein. Bleibe bei denselben Punkten, aber:
- ersetze jede allgemeine Aussage durch eine konkrete Zahl aus dem Material
- streiche alles, was ohne Kenntnis meiner Daten geschrieben werden könnte
- nenne am Ende, welche Angaben dir für eine bessere Antwort fehlen

Typische Aufgaben

Einen unklaren Auftrag klären lassen, bevor gearbeitet wird

Bevor du antwortest: Stelle mir die drei Fragen, deren Antworten dein Ergebnis
am stärksten verändern würden. Warte auf meine Antworten.

Ein Format erzwingen

Antworte ausschliesslich als Markdown-Tabelle mit den Spalten
"Grösse | Bedeutung | Typische Fehldeutung". Keine Einleitung, kein Fazit.

Länge und Ton festlegen

Höchstens 150 Wörter. Sachlicher Ton, keine Werbesprache, keine Aufzählung von
Vorteilen. Schweizer Rechtschreibung, also ss statt ß. Keine Gedankenstriche.

Annahmen sichtbar machen

Liste am Ende unter der Überschrift "Annahmen" alles auf, was du angenommen
hast, weil es im Material nicht stand.

Eine Antwort auf das Wesentliche kürzen

Kürze den folgenden Text auf die Hälfte. Erhalte alle Zahlen und alle
Einschränkungen. Streiche zuerst Wiederholungen, dann Beispiele, dann
Adjektive.

Sprache und Terminologie festlegen

Antworte auf Deutsch. Fachbegriffe bleiben englisch, wenn sie im Fachgebiet
englisch üblich sind (zum Beispiel Confounder, Overfitting). Erkläre jeden
Fachbegriff beim ersten Vorkommen in einem Halbsatz.

Verständnisfragen

Diese Seite rechnet nichts: Im Build gibt es keinen Modellzugriff, und Modellantworten wären auch damit nicht reproduzierbar, weil dasselbe Prompt je nach Modellstand und Zufall verschieden beantwortet wird. Die Beispiele sind deshalb Prompts und Antwortauszüge zum Lesen, nicht ausgeführte Chunks. Was sich dagegen reproduzieren lässt, ist die Prüfung einer Antwort an den Daten, siehe Prompts für die Datenarbeit.

Ein Prompt lautet: “Schreib mir eine professionelle Zusammenfassung dieser Auswertung.” Was fehlt vor allem?

Die Rolle
Sie hilft, ist aber hier nicht das Hauptproblem.
Format, Länge und Zielgruppe
Richtig. “Professionell” ist nicht überprüfbar. Ohne Angabe zu Aufbau, Umfang und Publikum entscheidet das Modell selbst, und die Nacharbeit ist grösser als die eingesparte Tipparbeit.
Nichts, der Auftrag ist klar
Er ist kurz, aber nicht klar: fünf verschiedene Antworten würden ihn alle erfüllen.

Von den fünf Bausteinen fehlt in einem Prompt das Zielformat. Was ist die wahrscheinlichste Folge?

Die Antwort kommt in einer Form, die nachbearbeitet werden muss
Richtig. Das Format vorzugeben (Tabelle mit diesen Spalten, fünf Stichpunkte, nur Code ohne Erklärung) spart die meiste Nacharbeit.
Das Modell fragt nach
Es rät eher, als zu fragen.
Die Antwort wird inhaltlich falsch
Inhaltlich kann sie stimmen und trotzdem unbrauchbar formatiert sein.

Was wirkt stärker: “schreibe professionell” oder ein Beispielabsatz im gewünschten Stil?

Der Beispielabsatz
Richtig. Ein Muster legt Satzbau, Länge und Ton fest, während “professionell” für jeden etwas anderes heisst. Dasselbe gilt für Tabellen: ein Beispiel einer Zeile schlägt jede Beschreibung.
Die Anweisung, weil sie kürzer ist
Kürze hilft nur, wenn sie eindeutig ist.
Beides gleich
Adjektive sind auslegbar, ein Muster ist es nicht.

Verlinkte Ressourcen